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Industry10. Juni 20258 Min. Lesezeit

Siemens, Allen-Bradley oder ABB: welche Plattform lernen?

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Siemens, Allen-Bradley oder ABB: welche Plattform lernen?
By Vaisakh Sankar

Die Entscheidung, auf welche Steuerungsplattform man sich festlegt, prägt den weiteren Berufsweg. In Deutschland dominieren drei Anbieter: Siemens, Allen-Bradley (Rockwell Automation) und ABB. Jeder hat ein eigenes Profil.

Siemens: der europäische Standard

Siemens-Steuerungen, insbesondere die Reihen S7-1200 und S7-1500 im TIA Portal, bestimmen die europäische Fertigung. In Deutschland ist Siemens in Fahrzeugbau, Pharmaproduktion, Chemie und Wasserwirtschaft breit vertreten. Das TIA Portal fasst SPS-Programmierung, HMI-Projektierung und Antriebsparametrierung in einer Umgebung zusammen, was bei großen Projekten spürbar Zeit spart.

Stärken sind die durchgängige PROFINET-Kommunikation, die integrierte Sicherheitstechnik und die Verbreitung in der Verfahrenstechnik. Die S7-1500 bietet zudem Rechenleistung und Schutzfunktionen, die heutigen Anforderungen an die Anlagensicherheit genügen.

Allen-Bradley: der nordamerikanische Standard

Allen-Bradley von Rockwell Automation prägt den nordamerikanischen Markt und ist in Deutschland vor allem dort anzutreffen, wo der Mutterkonzern amerikanisch ist. Die Reihen ControlLogix und CompactLogix, projektiert in Studio 5000, finden sich in der Lebensmittelproduktion, bei Konsumgütern sowie in Öl und Gas.

Die Plattform ist stark in der Stückgutfertigung, kommuniziert über EtherNet/IP und fügt sich gut in das übrige Rockwell-Umfeld ein. Viele international tätige Konzerne standardisieren weltweit darauf.

ABB: stark in der Prozessindustrie

ABB besetzt eine eigene Nische, besonders in Verfahrenstechnik, Energieerzeugung und Rohstoffgewinnung. Die Reihe AC500 und das Leitsystem 800xA sind für anspruchsvolle Prozessführung anerkannt.

Die Stärke liegt im Zusammenspiel mit Antrieben, Motoren und Robotern aus demselben Haus. Wer ABB-Antriebe und -Roboter betreibt, wählt häufig auch die passende Steuerung.

Marktanteile und was sie bedeuten

In Deutschland entfallen auf Siemens grob 40 bis 45 Prozent des Steuerungsmarkts, auf Allen-Bradley etwa 25 bis 30 Prozent und auf ABB rund 10 bis 15 Prozent. Diese Werte schwanken je nach Branche erheblich: Wasserversorger setzen weit überwiegend auf Siemens, Lebensmittelbetriebe in amerikanischem Besitz häufig auf Allen-Bradley.

Für den Berufsweg heißt das: Wer in Deutschland anfängt, fährt mit Siemens am breitesten. Allen-Bradley als zweite Plattform erweitert die Möglichkeiten deutlich. ABB-Kenntnisse sind seltener und deshalb in den betreffenden Branchen gut bezahlt.

Unterschiede beim Programmieren

Alle drei setzen die IEC 61131-3 um, aber unterschiedlich. Siemens nutzt SCL neben Kontaktplan und Funktionsbausteinsprache. Allen-Bradley arbeitet in Studio 5000 vorwiegend mit strukturiertem Text und Kontaktplan. ABB unterstützt über den Automation Builder alle fünf Sprachen.

Auch die Denkweise unterscheidet sich. Siemens fördert einen objektorientierten Aufbau mit eigenen Datentypen und Funktionsbausteinen. Allen-Bradley arbeitet variablenbasiert mit Add-On Instructions. Diese Unterschiede zu kennen ist entscheidend, wenn man zwischen den Plattformen wechselt.

Empfehlung

Wer in Deutschland in die Automatisierungstechnik einsteigt, sollte mit Siemens TIA Portal und der S7-1500 beginnen. Die Nachfrage ist am größten, Material ist reichlich vorhanden und die Plattform wird in neuen Projekten regelmäßig vorgeschrieben. Allen-Bradley bietet sich nach zwei bis drei Jahren als zweite Plattform an, ABB dann, wenn Sie in die Verfahrenstechnik oder die Energieerzeugung gehen.

Am gefragtesten sind ohnehin diejenigen, die mehrere Plattformen beherrschen und Systeme unterschiedlicher Hersteller in einer Anlage zusammenführen können.

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