Sie können makellose Programme schreiben und Anlagen sicher in Betrieb nehmen. Ohne überfachliche Fähigkeiten stößt die Laufbahn trotzdem irgendwann an eine Grenze. Was dazugehört.
Verständlich erklären können
Automatisierungstechnik liegt an der Schnittstelle mehrerer Fachrichtungen. Sie müssen sich verständlich machen gegenüber:
- Bedienpersonal, das mit der Anlage arbeiten soll
- Projektleitung, die Stand und Risiken wissen muss
- Kunden, die entscheiden müssen, ohne die Technik im Detail zu kennen
- Instandhaltung, die Ihre Anlage später ohne Sie in Ordnung bringen muss
Der letzte Punkt wird am häufigsten vernachlässigt und rächt sich am zuverlässigsten.
Woran man arbeiten kann: Erklären Sie Fachliches so, als säße jemand ohne Vorkenntnisse gegenüber. Schreiben Sie Dokumentation für die Person, die um drei Uhr nachts damit arbeiten muss. Nutzen Sie Skizzen.
Systematisch vorgehen
Jede Inbetriebnahme bringt Unerwartetes: ein Sensor, der sich anders verhält als im Datenblatt, eine Mechanik, die schwingt, eine Anforderung, die sich mitten im Projekt ändert.
Bewährt hat sich:
- das Problem klar benennen
- Beobachtungen und Daten sammeln
- mehrere Erklärungen in Betracht ziehen
- sie der Reihe nach prüfen
- die belastbarste Lösung umsetzen
- das Ergebnis festhalten
Woran man arbeiten kann: Dem ersten Verdacht nicht sofort folgen. Ein eigenes Verzeichnis von Störungen und Ursachen führen; nach zwei Jahren ist das ein wertvoller Fundus.
Zusammenarbeiten
An einem Projekt hängen Elektrofachkräfte, Mechanik, Verfahrenstechnik, Projektleitung und Kunde. Wie gut Sie zusammenarbeiten, wirkt sich unmittelbar auf das Ergebnis aus.
- den anderen Gewerken tatsächlich zuhören
- Wissen weitergeben, statt es zu halten
- sachliche Kritik annehmen
- in der heißen Phase der Inbetriebnahme zusammenstehen
- Beiträge anderer benennen
Mit der Zeit umgehen
Mehrere Projekte, Termine und Prioritäten gleichzeitig:
- große Aufgaben zerlegen
- Dauer realistisch schätzen, was mit Erfahrung besser wird
- nach Auswirkung priorisieren, nicht nach Vorliebe
- früh melden, wenn ein Termin wackelt. Früh ist unangenehm, spät ist teuer
- Zeit für konzentriertes Arbeiten schützen
Sich einstellen können
Kein Projekt gleicht dem anderen. Diesen Monat ein Reinraum, nächsten Monat ein Stahlwerk. Jedes Umfeld hat eigene Regeln und eine eigene Kultur.
- eine neue Plattform lernen, wenn das Projekt es verlangt
- den Ton auf das Gegenüber einstellen
- geänderte Anforderungen annehmen, statt sich dagegen zu stemmen
- ruhig bleiben, wenn es nicht nach Plan läuft, und das tut es selten
Mit Kunden umgehen
Ob beim Systemintegrator oder im eigenen Haus: Erwartungen zu steuern gehört zur Aufgabe.
- weniger versprechen, als Sie halten können
- von sich aus informieren, besonders bei Verzögerungen
- Absprachen und Änderungen schriftlich festhalten. Das schützt beide Seiten
- ehrlich sagen, was im gegebenen Rahmen nicht geht
Führen, auch ohne Titel
Sie führen regelmäßig, ohne dass es so heißt: bei der Inbetriebnahme vor Ort, in technischen Abstimmungen, bei der Einarbeitung von Berufseinsteigern, in Kundenterminen.
Woran man arbeiten kann: kleine Vorhaben übernehmen, jemanden einarbeiten, im Team etwas vorstellen, Verantwortung für ein Problem übernehmen, statt auf Anweisung zu warten.
Weiterlernen
Die Technik entwickelt sich fortlaufend. Wer aufhört zu lernen, bleibt stehen: Fachveranstaltungen besuchen, regelmäßig Weiterbildung einplanen, Fachliteratur und Herstellerunterlagen lesen, Neues ausprobieren.
Überfachliche Fähigkeiten sind keine Begabung, sondern Übungssache. Der Aufwand zahlt sich über die gesamte Laufbahn aus.
