Wenn eine Fertigungslinie steht, ist der Druck groß. Eine belastbare Vorgehensweise bei der Fehlersuche unterscheidet erfahrene Fachkräfte von Anfängern: Sie verkürzt den Stillstand und verhindert, dass dieselbe Störung in zwei Wochen wieder auftritt.
Schritt für Schritt statt Bauchgefühl
Fangen Sie nie damit an, auf Verdacht Dinge zu verändern. Gehen Sie strukturiert vor.
Schritt 1: Informationen sammeln
- Sprechen Sie mit dem Bedienpersonal. Was ist passiert? Was hat die Anlage gerade gemacht? Gab es ungewöhnliche Geräusche oder Gerüche?
- Prüfen Sie HMI und Leitsystem auf anstehende Meldungen
- Sehen Sie die Meldehistorie durch, oft zeigt sich ein Muster
Schritt 2: Anlage beobachten
- Statusanzeigen der Steuerung prüfen (RUN, STOP, ERROR, Busfehler)
- Auf sichtbare Schäden achten: lose Klemmen, abgezogene Leitungen, Beschädigungen
- Zustand der Aktoren erfassen: Laufen die Antriebe? Stehen die Ventile richtig?
Schritt 3: Programm analysieren
- Mit TIA Portal oder der passenden Software online gehen
- Die Logik im Betrieb beobachten und sehen, welche Bedingungen erfüllt sind und welche nicht
- Über die Querverweisliste das Signal vom Eingang durch die Logik bis zum Ausgang verfolgen
Schritt 4: Fehler eingrenzen
- Klären, ob die Ursache am Eingang liegt (Sensor, Verdrahtung), im Programm (Logik) oder am Ausgang (Aktor, Verdrahtung, Versorgung)
- Steuern und Forcen nur mit der nötigen Berechtigung und mit Bedacht einsetzen
Schritt 5: Instandsetzen und prüfen
- Ursache beseitigen
- Die Reparatur gründlich testen, bevor die Anlage wieder freigegeben wird
- Störung, Ursache und Maßnahme dokumentieren
Häufige Störungsbilder
Steuerung geht auf STOP:
- Programmfehler, etwa Division durch null oder Zugriff außerhalb eines Feldes
- Hardwarefehler, defekte Baugruppe oder ausgefallene Versorgung
- Fehler auf der Speicherkarte oder beschädigtes Programm
Eingang wird nicht erkannt:
- Sensor oder Verdrahtung defekt
- Eingangsbaugruppe falsch parametriert, etwa Signalart oder Filterzeit
- Baugruppe selbst defekt
Ausgang schaltet nicht:
- Sicherung der Baugruppe oder des Laststromkreises ausgelöst
- Relais oder Transistor der Ausgangsbaugruppe defekt
- Logikfehler oder eine Verriegelung, die nicht erfüllt ist
Kommunikation gestört:
- Leitung abgezogen oder beschädigt
- Adresskonflikt oder falsche Netzwerkkonfiguration
- Ausfall eines Switches oder einer anderen Netzwerkkomponente
Diagnosewerkzeuge nutzen
Moderne Steuerungen bringen wirksame Werkzeuge mit:
- Online-Beobachtung: die Programmbearbeitung im Betrieb verfolgen
- Beobachtungstabellen: einzelne Variablen überwachen und zum Testen vorgeben
- Trace-Funktion: Signalverläufe aufzeichnen, unverzichtbar bei sporadischen Fehlern
- Webserver: Diagnose im Browser, ohne Engineering-Software
- Diagnosepuffer: die zeitliche Abfolge der Ereignisse und Fehler nachvollziehen
Gerade bei sporadischen Störungen führt die Trace-Funktion oft schneller zum Ziel als stundenlanges Beobachten.
Dokumentation gehört dazu
Halten Sie fest, was Sie gefunden haben:
- Symptom, Ursache und durchgeführte Maßnahme notieren
- Instandhaltungsunterlagen und Anlagendokumentation nachführen
- Die Erkenntnis im Team teilen, damit dieselbe Störung nicht erneut Zeit kostet
Fehlersuche üben bei ED WARTENS Deutschland
In unseren Kursen zur Instandhaltung und Fehlersuche arbeiten Sie an echter Hardware, in die gezielt Fehler eingebaut werden. Sie üben, Störungen unter Zeitdruck systematisch einzugrenzen, so wie es im Betrieb tatsächlich verlangt wird.
