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Physical AI8. Dezember 20259 Min. Lesezeit

PID-Regler verstehen und einstellen: ein Leitfaden für die Praxis

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PID-Regler verstehen und einstellen: ein Leitfaden für die Praxis
By Vaisakh Sankar

Der PID-Regler ist der am weitesten verbreitete Regelalgorithmus der Automatisierungstechnik. Ob Temperatur im Reaktor oder Füllstand im Behälter: In nahezu jeder verfahrenstechnischen Anlage arbeiten PID-Regler. Sie sauber einstellen zu können, gehört zum Handwerk.

Was ein PID-Regler tut

Der Regler bildet fortlaufend die Regelabweichung, also die Differenz zwischen Sollwert und gemessenem Istwert, und berechnet daraus die Stellgröße aus drei Anteilen.

Proportionalanteil (P): Die Korrektur ist proportional zur aktuellen Abweichung. Je größer die Abweichung, desto kräftiger die Reaktion. Der Verstärkungsfaktor Kp bestimmt, wie energisch der Regler eingreift. Ein reiner P-Regler behält allerdings immer eine bleibende Regelabweichung.

Integralanteil (I): Die Korrektur richtet sich nach der über die Zeit aufsummierten Abweichung. Damit verschwindet die bleibende Regelabweichung, die der P-Anteil nicht beseitigen kann. Die Nachstellzeit Ti bestimmt, wie schnell das geschieht.

Differentialanteil (D): Die Korrektur richtet sich nach der Änderungsgeschwindigkeit der Abweichung. Der D-Anteil wirkt vorausschauend und bremst die Stellgröße ab, wenn sich der Istwert dem Sollwert nähert. Die Vorhaltezeit Td bestimmt, wie stark.

Die Reglergleichung

In der Parallelform lautet sie:

Stellgröße = Kp x (Abweichung + (1/Ti) x Integral der Abweichung + Td x Ableitung der Abweichung)

In der SPS steckt das in einem Funktionsbaustein mit einstellbaren Parametern für Verstärkung, Nachstellzeit, Vorhaltezeit und Stellgrößenbegrenzung.

Von Hand einstellen

Das ist im Feld nach wie vor die übliche Vorgehensweise:

  • Mit reinem P-Anteil beginnen (Ti auf Maximum, Td auf null)
  • Kp erhöhen, bis der Regelkreis dauerhaft schwingt
  • Kp auf etwa die Hälfte dieses Werts zurücknehmen
  • Ti schrittweise verkleinern, bis die bleibende Abweichung verschwindet
  • Bei zu trägem Verhalten einen kleinen D-Anteil ergänzen

Nach Ziegler und Nichols lässt sich das systematischer angehen:

  • Kritische Verstärkung Ku und Schwingungsdauer Pu ermitteln
  • Startwerte aus den bekannten Tabellen berechnen
  • Von dort aus anhand des tatsächlichen Streckenverhaltens nachjustieren

Die Tabellenwerte sind ein Ausgangspunkt, kein Ergebnis. Jede Strecke verhält sich anders.

Wo PID-Regler eingesetzt werden

  • Temperaturregelung: Öfen, Wärmetauscher, Trockner, Klimatechnik
  • Füllstandsregelung: Behälter und Silos in Wasserwirtschaft und Chemie
  • Druckregelung: Kompressoren, Kessel, Rohrleitungssysteme
  • Durchflussregelung: Pumpen und Regelventile
  • Drehzahlregelung: Antriebe, bei denen Lastschwankungen ausgeregelt werden müssen

PID im TIA Portal

Siemens liefert für S7-1200 und S7-1500 den Baustein PID_Compact. Er bringt eine Selbstoptimierung mit, die brauchbare Parameter selbst ermittelt und bei der Inbetriebnahme viel Zeit spart.

Wichtige Eigenschaften:

  • Erstoptimierung zur Bestimmung der Startparameter
  • Nachoptimierung im laufenden Betrieb
  • Anti-Windup, damit der I-Anteil nicht überläuft
  • Umschaltung Hand/Automatik ohne Sprung in der Stellgröße

Regelungstechnik bei ED WARTENS Deutschland

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