In der Automatisierungstechnik sind Frauen deutlich unterrepräsentiert. In den technischen Berufen insgesamt liegt ihr Anteil niedrig, in der Steuerungstechnik und in anlagennahen Tätigkeiten noch einmal darunter. Das ist eine Herausforderung und zugleich eine Gelegenheit.
Wie die Lage ist
Das Fachgebiet war lange männlich geprägt, besonders in Tätigkeiten mit Anlagen- und Baustellenbezug. Das Bild verändert sich langsam:
- Der Anteil von Frauen in technischen Studiengängen ist über die letzten Jahre gestiegen
- Betriebe verankern Vielfalt zunehmend in ihren Zielen
- Verbände wie der VDI und der VDE haben eigene Netzwerke für Ingenieurinnen
- Sichtbare Vorbilder in fachlich führenden Positionen nehmen zu
Warum das fachlich zählt
Gemischte Teams kommen zu besseren Ergebnissen. Sie erkennen Risiken vollständiger und entwickeln Lösungen, die mehr Nutzergruppen tragen. In der Automatisierungstechnik heißt das konkret:
- Bedienoberflächen, die unterschiedliche Nutzergruppen mitdenken
- gründlichere Gefährdungsbeurteilungen aus mehreren Blickwinkeln
- mehr Lösungsansätze bei Störungen
- weniger Neigung, eine einmal gefasste Annahme im Team unhinterfragt weiterzutragen
Wo die Hürden liegen
- Betriebskultur: Manche Einsatzorte sind im Umgang rau, und nicht jeder Ton ist tragbar
- Sichtbarkeit: wenige Vorbilder in fachlich führenden Positionen
- Zutrauen: Prägungen, die früh von technischen Berufen wegführen
- Vereinbarkeit: Reisetätigkeit und Rufbereitschaft sind mit Sorgeaufgaben schwer zu verbinden, was allerdings alle Geschlechter betrifft und in der Branche insgesamt zu wenig gelöst ist
- Auswahlverfahren: unbewusste Voreingenommenheit wirkt weiter
Was Betriebe tun können
- Auswahlverfahren prüfen. Ausschreibungen sprachlich öffnen, Auswahlgremien mischen, gezielt ansprechen
- Begleitung anbieten. Erfahrene Kolleginnen mit Berufseinsteigerinnen zusammenbringen
- Arbeitszeit flexibler gestalten. Fernüberwachung nutzen, Rufbereitschaft im Team verteilen
- Umgangston klären. Belästigung und Herabsetzung nicht dulden, mit einem benannten Weg für Beschwerden. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz gibt hier den Rahmen
- Rückkehr unterstützen, nach Elternzeit oder anderen Unterbrechungen
Für Frauen, die den Einstieg erwägen
- Lassen Sie sich von Statistiken nicht abhalten. Der Bedarf ist real, und die meisten Kolleginnen und Kollegen arbeiten sachlich zusammen.
- Suchen Sie Netzwerke. Der Deutsche Ingenieurinnenbund, das VDI-Netzwerk Frauen im Ingenieurberuf und regionale MINT-Initiativen bieten Austausch und Rückhalt.
- Bauen Sie fachliche Sicherheit auf. Geprüfte Weiterbildung liefert einen Nachweis, der für sich steht.
- Suchen Sie Begleitung. Erfahrene Fachleute, die Sie beraten und für Sie eintreten.
- Zeigen Sie Ihren Weg. Sichtbarkeit wirkt auf die nächste Generation.
Der wirtschaftliche Punkt
In Deutschland fehlen in den technischen Berufen seit Jahren Fachkräfte, in der Elektrotechnik in erheblichem Umfang. Auf die Hälfte der Bevölkerung weitgehend zu verzichten, ist unter diesen Umständen nicht nur ungerecht, sondern wirtschaftlich unvernünftig.
Betriebe, die hier vorangehen, verschaffen sich einen Vorteil, der sich über die kommenden Jahre auszahlt.
