Nachweise belegen, was Sie können, unterscheiden Sie von anderen Bewerbern und wirken sich auf die Vergütung aus. Ein Überblick über das, was in Deutschland tatsächlich Gewicht hat.
Herstellernachweise
Siemens
Siemens bietet ein abgestuftes Programm rund um TIA Portal, S7-1500 und WinCC. Geprüft wird auch praktisch. Angesichts der Marktstellung von Siemens in Europa ist das der Nachweis mit der größten Wirkung bei deutschen Arbeitgebern.
Rockwell Automation
Mehrere Stufen für Studio 5000 und die zugehörigen Plattformen. Wertvoll vor allem in Betrieben mit amerikanischer Konzernmutter, etwa in Fahrzeugbau und Lebensmittelproduktion.
EPLAN
Für alle, die in der Elektrokonstruktion und im Schaltschrankbau arbeiten. EPLAN ist in Deutschland faktisch der Standard für die Anlagendokumentation.
Prüforganisationen
TÜV Functional Safety Engineer
Wer mit sicherheitsgerichteten Anwendungen zu tun hat, kommt an diesem Nachweis kaum vorbei. Behandelt werden SIL-Einstufung, Programmierung fehlersicherer Steuerungen und Risikobeurteilung. In der deutschen Industrie ist er hoch angesehen und wird in Ausschreibungen teils ausdrücklich verlangt.
Verbände und Berufsorganisationen
VDI und VDE
Die Mitgliedschaft im Verein Deutscher Ingenieure oder im Verband der Elektrotechnik ist kein Qualifikationsnachweis, gibt aber Zugang zu Richtlinien, Fachveranstaltungen und Netzwerken. Die VDI-Richtlinien und die VDE-Normen sind in der täglichen Arbeit ohnehin präsent.
Ein Hinweis zur Einordnung: In Deutschland gibt es keine geschützte Berufsbezeichnung, die einem britischen Chartered Engineer entspräche. Geschützt ist die Bezeichnung „Ingenieur“, geknüpft an den entsprechenden Abschluss und geregelt in den Ingenieurgesetzen der Länder.
ISA
Die International Society of Automation vergibt herstellerunabhängige Nachweise. Sie sind international bekannt, in rein deutschen Mittelstandsbetrieben aber weniger geläufig als ein TÜV- oder Siemens-Nachweis.
Geprüfte Weiterbildung
Eine von unabhängiger Seite geprüfte Weiterbildung, etwa mit CPD-Akkreditierung, belegt Inhalt und Umfang. Sie ist kein staatlich anerkannter Abschluss und keinem Kammerabschluss gleichgestellt, aber ein belastbarer Nachweis darüber, was Sie absolviert haben.
Besonders sinnvoll bei:
- SPS-Programmierung, Grundlagen und Vertiefung
- Leitsystemprojektierung
- industrieller IT-Sicherheit
- funktionaler Sicherheit
- Robotik und Antriebstechnik
Wie Sie auswählen
- Passung zur angestrebten Stelle. Nehmen Sie das, was zu den Plattformen und Branchen passt, in denen Sie arbeiten wollen.
- Bekanntheit bei Arbeitgebern. Sehen Sie in Stellenausschreibungen nach, welche Nachweise dort tatsächlich genannt werden. Das ist aussagekräftiger als jede Empfehlung.
- Verhältnis von Aufwand und Nutzen. Manche Nachweise kosten viel Zeit und Geld. Priorisieren Sie danach, was Ihre Aussichten am stärksten verbessert.
- Gültigkeit. Manche müssen erneuert werden. Das gehört in die Planung.
Eine Strategie statt einer Sammlung
Sammeln Sie Nachweise nicht wahllos. Beginnen Sie mit der Grundlage, ergänzen Sie den Herstellernachweis für Ihren Markt und nehmen Sie fachliche Vertiefungen auf, wenn die Erfahrung dazu passt.
Am Ende gilt: Ein Zertifikat verschafft Ihnen das Gespräch. Was Sie an der Anlage können, verschafft Ihnen die Stelle.
