Das Siemens TIA Portal (Totally Integrated Automation Portal) ist die am weitesten verbreitete Engineering-Software der industriellen Automatisierung, in Deutschland ohnehin. Ob Sie frisch von der Hochschule kommen oder als Elektrofachkraft in die Steuerungstechnik wechseln möchten: An dieser Software führt kein Weg vorbei.
Was ist das TIA Portal?
Das TIA Portal fasst mehrere Aufgaben in einer Oberfläche zusammen. Sie programmieren damit Siemens-Steuerungen der Reihen S7-1200 und S7-1500, projektieren HMI-Panels, parametrieren Antriebe und richten die Netzwerkkommunikation ein. Weil alles in einem Werkzeug liegt, entfällt der ständige Wechsel zwischen Programmen, und Projektdaten bleiben konsistent.
Das erste Projekt anlegen
Nach dem Start bietet das TIA Portal zwei Ansichten: die Portalansicht, die Sie aufgabenorientiert durch die Schritte führt, und die Projektansicht mit der vollständigen Baumstruktur. Für den Anfang ist die Portalansicht die bessere Wahl.
Schritt für Schritt:
- Neues Projekt anlegen und nach der Namenskonvention Ihres Betriebs benennen
- Steuerung hinzufügen, also die passende CPU aus dem Hardwarekatalog wählen
- IP-Adresse und PROFINET-Einstellungen für die Kommunikation vergeben
- Baugruppen ergänzen, passend zum tatsächlichen Aufbau im Schaltschrank
- Organisationsbaustein OB1 anlegen, in dem die zyklische Programmbearbeitung abläuft
Ein sauber benanntes Projekt und eine Hardwarekonfiguration, die dem realen Aufbau entspricht, ersparen später viel Sucharbeit. Wer hier schludert, verbringt die Inbetriebnahme mit Fehlern, die nichts mit der eigentlichen Logik zu tun haben.
Das erste Programm schreiben
Das TIA Portal unterstützt alle fünf Sprachen der Norm IEC 61131-3. Für den Einstieg eignet sich der Kontaktplan (KOP) am besten, weil er die Schützlogik abbildet, die Elektrofachkräften ohnehin vertraut ist.
Eine einfache Motorsteuerung mit Selbsthaltung braucht drei Netzwerke:
- Netzwerk 1: Einschalttaster mit Selbsthaltekontakt, der den Motorausgang hält
- Netzwerk 2: Ausschalttaster in Reihe, der die Selbsthaltung auftrennt
- Netzwerk 3: Meldekontakt des Motorschutzes zur Absicherung
Damit haben Sie das Grundmuster verstanden, auf dem ein Großteil industrieller Ablaufsteuerungen aufbaut.
Funktionen, die sich lohnen
Sobald die Grundlagen sitzen, sollten Sie sich diese Werkzeuge ansehen:
- Online-Diagnose zum Beobachten der Signale und zur Fehlersuche an der laufenden Anlage
- Querverweisliste, um zu sehen, an welchen Stellen eine Variable verwendet wird
- Simulation mit PLCSIM, um Programme ohne reale Hardware zu testen
- Bibliotheken für wiederverwendbare Funktionsbausteine
- Safety Integrated für sicherheitsgerichtete Programme mit SIL-Einstufung
Besonders die Querverweisliste wird unterschätzt. In einem gewachsenen Projekt ist sie oft der schnellste Weg zur Ursache einer Störung.
Schulung bei ED WARTENS Deutschland
In unseren Kursen arbeiten Sie an echter S7-1500-Hardware, nicht ausschließlich in der Simulation. Der Aufbau führt von den Grundlagen des Kontaktplans bis zu strukturiertem Text und deckt Hardwarekonfiguration, HMI-Projektierung und Fehlersuche mit ab. Zum Abschluss erhalten Sie ein CPD-akkreditiertes Zertifikat, das Arbeitgeber über unser Portal prüfen können.
