Die Norm IEC 61131-3 definiert fünf Programmiersprachen für speicherprogrammierbare Steuerungen. Jede hat ihren Zweck, und von Fachkräften wird erwartet, dass sie mindestens zwei bis drei sicher beherrschen.
1. Kontaktplan (KOP)
Der Kontaktplan ist weltweit die am häufigsten eingesetzte SPS-Sprache. Er ist der Darstellung von Schützschaltungen nachempfunden und deshalb für Elektrofachkräfte und Instandhalter unmittelbar lesbar.
Geeignet für: Verknüpfungslogik, Motorsteuerungen, Verriegelungen und binäre Signalverarbeitung.
Merkmale:
- bildhafte Darstellung, an Stromlaufpläne angelehnt
- gute Beobachtbarkeit im Online-Betrieb
- von jedem Hersteller unterstützt
- geeignet für Personal, das Programme lesen und kleine Änderungen vornehmen muss
2. Funktionsbausteinsprache (FBS)
Die Funktionsbausteinsprache stellt Funktionen als Blöcke dar, zwischen denen Daten über Verbindungslinien fließen. Das passt gut zur Signalverarbeitung und zur Regelungstechnik.
Geeignet für: Regelkreise, Analogwertverarbeitung und alles, wo der Datenfluss im Vordergrund steht.
Merkmale:
- der Signalweg ist unmittelbar ablesbar
- Bausteine lassen sich wiederverwenden
- in der Verfahrenstechnik verbreitet
3. Strukturierter Text (ST)
Strukturierter Text ist eine höhere Sprache, in der Schreibweise an Pascal angelehnt. Sie ist die mächtigste der fünf und wird für Algorithmen, Datenverarbeitung und Berechnungen zunehmend bevorzugt. Bei Siemens firmiert sie als SCL.
Geeignet für: Berechnungen, Datenverarbeitung, Rezeptverwaltung und Zeichenkettenbearbeitung.
Merkmale:
- Sprachkonstrukte wie IF/ELSE, FOR, WHILE und CASE
- kompakter Code bei komplexer Logik
- naheliegend für alle mit Programmiererfahrung
- praktisch unverzichtbar für Anwendungen im Umfeld von Industrie 4.0
4. Anweisungsliste (AWL)
Die Anweisungsliste ist eine maschinennahe Textsprache, vergleichbar mit Assembler. Sie wird zugunsten von strukturiertem Text zurückgedrängt, findet sich aber in Bestandsanlagen weiterhin.
Geeignet für: Pflege älterer Anlagen.
Hinweis: In der aktuellen Ausgabe der IEC 61131-3 gilt AWL als abgekündigt. Wer im Bestand arbeitet, sollte sie dennoch lesen können.
5. Ablaufsprache (AS)
Die Ablaufsprache beschreibt sequenzielle Abläufe als Schritte und Weiterschaltbedingungen. Für Chargenprozesse und Maschinenabläufe ist sie die naheliegende Wahl. Bei Siemens heißt das zugehörige Werkzeug GRAPH.
Geeignet für: Chargensteuerung, Maschinenabläufe und zustandsbasierte Logik.
Merkmale:
- der Ablauf ist auf einen Blick erkennbar
- Parallel- und Alternativverzweigungen sind vorgesehen
- eignet sich zugleich als Dokumentation des Prozessablaufs
- die Aktionen innerhalb der Schritte werden meist in anderen Sprachen ausformuliert
Womit anfangen?
Beginnen Sie mit dem Kontaktplan. Er begegnet Ihnen in jedem Projekt. Ergänzen Sie danach strukturierten Text, der sich bei anspruchsvoller Logik durchgesetzt hat.
Der Lehrplan von ED WARTENS Deutschland behandelt alle fünf Sprachen mit praktischen Übungen, sodass Sie die jeweils passende auswählen können statt alles in einer zu erzwingen.
