Mobiles Arbeiten hat sich in vielen Bereichen durchgesetzt. Die Automatisierungstechnik hat dazu ein besonderes Verhältnis: Eine Anlage nimmt man nicht aus dem Wohnzimmer in Betrieb, ein Programm schreibt man dort sehr wohl. Eine ehrliche Einschätzung.
Was ortsunabhängig geht
Programmierung von Steuerung und Leitsystem. Code schreiben, in der Simulation prüfen, Bedienbilder gestalten: alles gut von zu Hause machbar.
Elektrokonstruktion. EPLAN und vergleichbare Werkzeuge laufen an jedem geeigneten Arbeitsplatz.
Projektabwicklung. Terminverfolgung, Abstimmung mit Lieferanten, Kundentermine per Videokonferenz.
Dokumentation. Pflichtenhefte, Betriebsanleitungen, Prüfanweisungen.
Schulung und Einarbeitung. Online-Schulungen und die Begleitung von Berufseinsteigern.
Fernüberwachung und Ferndiagnose. Viele Betriebe leisten die erste Ebene der Störungsbearbeitung über gesicherte Verbindungen.
Was vor Ort stattfinden muss
Inbetriebnahme. Programm aufspielen, Ein- und Ausgänge prüfen, Abnahmen fahren: Das geht nur an der Anlage.
Montage und Verdrahtung. Schaltschrankbau, Feldgeräte setzen, Leitungen ziehen.
Störungssuche an der Hardware. Messen, Klemmen prüfen, Bauteile tauschen.
Werksabnahmen. Virtuelle Abnahmen haben sich verbreitet, viele Kunden bestehen aber weiterhin auf Anwesenheit.
Das Mischmodell
In der Praxis überwiegt die Kombination:
- zwei bis drei Tage im Büro oder beim Kunden, für Abstimmung und alles Hardwarenahe
- zwei bis drei Tage zu Hause, für konzentriertes Programmieren und Dokumentation
- Phasen mit voller Anwesenheit während der Inbetriebnahme
- Phasen überwiegend ortsunabhängig in der Entwurfs- und Programmierphase
Stellen mit hohem Anteil ortsunabhängiger Arbeit
- Leitsystem- und Softwareprojektierung
- Elektrokonstruktion
- technischer Vertrieb und Anwendungsberatung
- technische Dokumentation
- beratende Tätigkeiten
Was das technisch möglich macht
- Simulationswerkzeuge wie PLCSIM Advanced, mit denen Programme ohne Hardware geprüft werden
- Gesicherte Fernzugänge zu Anlagennetzen für Beobachtung und Unterstützung
- Gemeinsame Arbeitsumgebungen für Versionsverwaltung und Abstimmung
- Digitale Zwillinge, an denen sich vorab prüfen lässt
- Unterstützung aus der Ferne über Kamera und Bildübertragung von der Anlage
Ein rechtlicher Hinweis, der oft fehlt
Mobiles Arbeiten ist in Deutschland kein Selbstläufer. Es setzt eine Regelung im Arbeitsvertrag oder eine Betriebsvereinbarung voraus. Der Arbeitgeber bleibt für den Arbeitsschutz verantwortlich, und die Vorgaben zur Arbeitszeiterfassung gelten auch außerhalb des Betriebs. Bei Fernzugriffen auf Kundenanlagen kommen Vereinbarungen zur Auftragsverarbeitung und die Anforderungen an die IT-Sicherheit hinzu.
Wie Arbeitgeber damit umgehen
- Größere Systemintegratoren haben meist geregelte Modelle
- Betreiber verlangen häufiger Anwesenheit, sind in der Entwurfsphase aber flexibel
- Beratende Häuser richten sich nach dem Projekt
- Kleinere Betriebe regeln es informell
Worauf es im Gespräch ankommt
- Verlässlichkeit zeigen. Wer ortsunabhängig liefert, bekommt Spielraum
- Beweglich bleiben. Vor Ort sein, wenn es nötig ist
- Arbeitsplatz einrichten. Ruhe, verlässliche Verbindung, ordentliche Ausstattung
- In Verbindung bleiben. Regelmäßiger Austausch verhindert, dass man den Anschluss verliert
- Erwartungen klären. Früh besprechen, wann Anwesenheit erwartet wird
Mobiles Arbeiten ist in diesem Beruf keine Alles-oder-nichts-Frage, sondern eine Frage der Phase im Projekt.
