Die Leitsystemtechnik verbindet Programmierung, Netzwerk und praktische Problemlösung. Der Einstieg ist auch ohne einschlägige Berufserfahrung möglich.
Was die Arbeit umfasst
Leitsystemfachkräfte projektieren und betreuen die Systeme, über die Anlagen aus der Ferne überwacht und geführt werden. Sie sind die Verbindung zwischen der Technik in der Halle und den Menschen in der Messwarte.
Zum Alltag gehören:
- Projektierung der Plattform, etwa WinCC, FactoryTalk View oder Ignition
- Gestaltung der Bedienbilder und Übersichten
- Meldungen, Trends und Archivierung einrichten
- Anbindung an Steuerungen und Feldgeräte
- Kommunikationsstörungen eingrenzen
- Zugriffsrechte und Absicherung pflegen
Warum der Einstieg gelingt
Die Leitsystemtechnik hat mehrere Zugänge:
- Aus der IT: Datenbanken, Netzwerk, Skripting und Oberflächengestaltung übertragen sich unmittelbar.
- Aus der Elektrotechnik: Sie kennen die Feldgeräte, deren Werte das Leitsystem darstellt.
- Aus der Softwareentwicklung: Die Skriptsprachen der Plattformen sind vertraut.
Ein Weg in sechs Schritten
1. Grundlagen verstehen
Wie industrielle Steuerungen arbeiten, was Sensoren und Aktoren tun und wie über Modbus, PROFINET und OPC UA kommuniziert wird.
2. Praktische Schulung
Mit Übungen an echten Aufgaben. Achten Sie darauf, dass Projektierung tatsächlich selbst gemacht wird und nicht nur vorgeführt.
3. Mit frei verfügbarer Software üben
Mehrere Plattformen bieten kostenlose Lernversionen:
- Ignition: vollwertige Testversion mit unbegrenzter Entwicklungszeit
- Siemens WinCC: über die Testversion des TIA Portal
- FactoryTalk View: Test- und Ausbildungslizenzen
Bauen Sie Beispiele: die Übersicht eines Wasserwerks, ein Bild für die Gebäudetechnik oder die Darstellung einer Fertigungslinie.
4. Ergänzende Kenntnisse
- SQL für die Archivierung
- Netzwerkgrundlagen: Adressierung, Segmentierung, Firewalls
- eine Skriptsprache, je nach Plattform
- Grundlagen der industriellen IT-Sicherheit
- Berichtserstellung und Auswertung
5. Projektmappe aufbauen
Dokumentieren Sie Ihre Übungsprojekte mit Bildschirmfotos, Architekturskizzen und Erläuterungen. Das belegt praktisches Können auch ohne Berufserfahrung.
6. Passende Stellen ansteuern
- Junior in der Leitsystemtechnik
- SCADA-Techniker
- Techniker für Mess-, Steuer- und Regelungstechnik
- Servicetechniker Automatisierung
- Einstieg bei einem Systemintegrator
Wo gesucht wird
- Wasser- und Abwasserwirtschaft: jeder Versorger arbeitet mit Leittechnik
- Energieversorgung: Erzeugung, Netze, erneuerbare Anlagen
- Verfahrenstechnik: Chemie und Pharma
- Gebäudeautomation: große gewerbliche Objekte
- Verkehr: Leit- und Sicherungstechnik, Tunnelbetriebstechnik
Was Sie verdienen können
Zum Einstieg liegen die Bruttojahresgehälter üblicherweise bei etwa 46.000 bis 54.000 Euro. Nach drei bis fünf Jahren bei etwa 58.000 bis 70.000 Euro, mit fachlicher Verantwortung darüber. Die Spannen hängen von Region, Branche und Tarifbindung ab.
Der erste Schritt
Wichtig ist, anzufangen. Beginnen Sie mit einer strukturierten Schulung, bauen Sie Übungsprojekte und bewerben Sie sich. Der Erneuerungsbedarf in der deutschen Infrastruktur ist erheblich, und der Nachwuchs hält damit nicht Schritt.
