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Career25. März 20269 Min. Lesezeit

Digitale Zwillinge in der Fertigung: Grundlagen und Nutzen

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Digitale Zwillinge in der Fertigung: Grundlagen und Nutzen
By ED WARTENS Deutschland

<h2>Was ein digitaler Zwilling ist</h2> <p>Ein digitaler Zwilling ist das virtuelle Abbild einer Anlage, eines Prozesses oder eines Systems, das fortlaufend mit Daten aus der realen Anlage versorgt wird. Anders als ein reines 3D-Modell oder eine einmalige Simulation bleibt er mit der Wirklichkeit verbunden und gibt deren aktuellen Zustand wieder.</p> <p>In der Fertigung kann er alles abbilden, vom einzelnen Antrieb bis zur ganzen Linie. Er verbindet physikalische Modelle, laufende Daten aus Steuerung und Leitsystem und zunehmend auch lernende Verfahren.</p>

<h2>Wie er technisch aufgebaut ist</h2>

<h3>Reale Ebene</h3> <p>Die Anlage selbst, ausgerüstet mit Sensorik für Temperatur, Druck, Schwingung, Drehzahl, Position, Strom und Durchfluss. Die Steuerung erfasst diese Werte und führt die Anlage.</p>

<h3>Kommunikationsebene</h3> <p>Die Daten gelangen über OPC UA, MQTT und PROFINET zum Zwilling, häufig über eine Vorverarbeitung nahe an der Anlage.</p>

<h3>Digitale Ebene</h3> <p>Das Modell nimmt die Daten auf und bildet damit den Zustand der Anlage nach. Dazu können gehören:</p> <ul> <li>die geometrische Darstellung der Anlage</li> <li>physikalische Modelle für Mechanik, Wärme und Strömung</li> <li>eine Nachbildung der Steuerungslogik</li> <li>die Archivierung für Verlaufsbetrachtungen</li> <li>Modelle für Vorhersage und Optimierung</li> </ul>

<h3>Auswerteebene</h3> <p>Hier entsteht der eigentliche Nutzen:</p> <ul> <li>Varianten durchspielen, bevor an der realen Anlage etwas verändert wird</li> <li>Störungen anhand aufgezeichneter Daten nachvollziehen</li> <li>günstige Betriebspunkte in der Simulation suchen statt im laufenden Betrieb</li> <li>künftiges Verhalten und mögliche Ausfälle abschätzen</li> </ul>

<h2>Gebräuchliche Werkzeuge</h2>

<h3>Siemens</h3> <p>Siemens deckt mit seinem Portfolio Konstruktion, Fertigungssimulation und Anbindung ab. Wer ohnehin mit Siemens-Steuerungen arbeitet, findet hier die naheliegende Umgebung.</p>

<h3>MATLAB und Simulink</h3> <p>Weit verbreitet für physikalische Modellbildung. Modelle lassen sich mit realen Steuerungen koppeln, um das Programm gegen das Modell zu prüfen.</p>

<h3>Factory IO</h3> <p>Eigentlich ein Lernwerkzeug, funktioniert aber als vereinfachter digitaler Zwilling und lässt sich mit einer echten Steuerung verbinden. Für den Einstieg ist das der beste Ausgangspunkt, weil man ohne Anlage üben kann.</p>

<h3>PLCSIM Advanced</h3> <p>Für anspruchsvollere virtuelle Inbetriebnahmen mit Siemens-Steuerungen.</p>

<h2>Beispiele aus der Praxis</h2>

<h3>Fahrzeugbau</h3> <p>Hersteller bilden ganze Fertigungslinien ab, um Auswirkungen von Modelländerungen zu prüfen, die Taktung auszubalancieren und den Instandhaltungsbedarf abzuschätzen. Die Linie wird virtuell in Betrieb genommen, bevor die erste Schraube vor Ort gedreht wird. Das verkürzt die Inbetriebnahme vor Ort erheblich.</p>

<h3>Verfahrenstechnik</h3> <p>Chemieanlagen und Raffinerien nutzen den Zwilling, um Betriebspunkte zu optimieren, Alterung abzuschätzen und Bedienpersonal auf Störfälle zu schulen, ohne die reale Anlage zu gefährden.</p>

<h3>Windenergie</h3> <p>Jede Anlage hat ihr Abbild, das den strukturellen Zustand überwacht und Lagerschäden vorhersagt. Bei Anlagen auf See, die schwer erreichbar sind, ist das der entscheidende Vorteil.</p>

<h2>Warum das für die Steuerungstechnik interessant ist</h2> <ul> <li><strong>Virtuelle Inbetriebnahme:</strong> das Programm gegen den Zwilling prüfen, bevor es zur Anlage geht. Das verkürzt die Zeit vor Ort deutlich, und genau dort ist Zeit am teuersten</li> <li><strong>Bessere Fehlersuche:</strong> Störungen nachstellen, ohne die Produktion anzuhalten</li> <li><strong>Laufende Verbesserung:</strong> aus dem Abgleich zwischen Abbild und Anlage ergeben sich Ansatzpunkte</li> <li><strong>Vorausschau:</strong> in Verbindung mit lernenden Verfahren lassen sich Ausfälle abschätzen</li> </ul>

<h2>Was das für die Vergütung bedeutet</h2> <p>Wer virtuelle Inbetriebnahme beherrscht, ist gefragt. Als Anhaltswerte für das Bruttojahresgehalt in Deutschland:</p> <ul> <li><strong>SPS-Programmierung, einige Jahre Erfahrung:</strong> etwa 55.000 bis 65.000 Euro</li> <li><strong>zusätzlich Simulation und virtuelle Inbetriebnahme:</strong> etwa 62.000 bis 78.000 Euro</li> <li><strong>Schwerpunkt digitale Zwillinge:</strong> darüber</li> </ul> <p>Die Spannen hängen von Region, Branche und Tarifbindung ab.</p>

<h2>Wie Sie anfangen</h2> <p>Beginnen Sie mit Factory IO, um das Zusammenspiel von virtueller Umgebung und realer Steuerung zu verstehen. Danach lohnt sich PLCSIM Advanced für anspruchsvollere Szenarien. Physikalische Modellbildung kommt später.</p> <p>Unsere <a href="/courses/professional">Kurse</a> arbeiten mit Anlagensimulation und behandeln die virtuelle Inbetriebnahme als festen Bestandteil. <a href="/contact">Sprechen Sie uns an.</a></p>

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