Wer in die Automatisierungstechnik will, steht früh vor der Wegwahl. In Deutschland gibt es dafür mehrere gleichwertige Möglichkeiten, und anders als in vielen Ländern ist der Weg über die Ausbildung hier kein Umweg, sondern ein anerkannter Hauptweg.
Die duale Ausbildung
Wie sie abläuft
Dreieinhalb Jahre im Betrieb und in der Berufsschule, mit Abschlussprüfung vor der zuständigen Kammer. Einschlägige Berufe sind:
- Elektroniker für Automatisierungstechnik
- Elektroniker für Betriebstechnik
- Mechatroniker
Was dafür spricht
- Vergütung von Anfang an. Die Ausbildungsvergütung steigt über die Jahre; in der Metall- und Elektroindustrie liegt sie tariflich im oberen Bereich
- Praxis vom ersten Tag an. Genau das, was Arbeitgeber in der Automatisierungstechnik suchen
- Übernahme. In vielen Betrieben ist die Übernahme nach der Ausbildung die Regel
- Anschlussfähig. Danach stehen Techniker, Meister und über die berufliche Qualifikation auch ein Studium offen
Was dagegen spricht
- Frühe Festlegung auf Betrieb und Ort
- Fachliche Breite hängt stark vom Ausbildungsbetrieb ab
- Theoretische Tiefe ist geringer als im Studium
Die Aufstiegsfortbildung
Staatlich geprüfter Techniker
Nach der Ausbildung und etwas Berufspraxis: zwei Jahre in Vollzeit oder drei bis vier Jahre berufsbegleitend an einer Fachschule, Fachrichtung Elektrotechnik oder Automatisierungstechnik. Der Abschluss ist im Deutschen Qualifikationsrahmen auf derselben Stufe eingeordnet wie ein Bachelor.
Industriemeister Elektrotechnik
Stärker auf Führung und Organisation ausgerichtet, für alle, die in Richtung Schicht- oder Bereichsleitung gehen wollen.
Förderung: Beide Wege sind über das Aufstiegs-BAföG förderfähig. Das ist ein handfester Unterschied zu vielen Weiterbildungen und lohnt die Prüfung im Einzelfall.
Das Studium
Wie es abläuft
Sechs bis sieben Semester Bachelor in Elektrotechnik, Mechatronik oder Automatisierungstechnik, an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften oder an einer Universität. Ein Master schließt gegebenenfalls an.
Was dafür spricht
- Theoretische Tiefe in Mathematik, Physik und Regelungstechnik
- Breitere Möglichkeiten, auch in Entwicklung, Forschung und Projektleitung
- Keine Studiengebühren an staatlichen Hochschulen, es fällt lediglich ein Semesterbeitrag an
Was dagegen spricht
- Wenig Praxis. Absolventen können Regelungstechnik herleiten, haben aber oft noch kein TIA-Portal-Projekt in Betrieb genommen
- Kein Einkommen während des Studiums, von Nebentätigkeiten abgesehen
- Abstand zur Anlage. Wer gern praktisch arbeitet, muss aufpassen, nicht in reiner Schreibtischarbeit zu landen
Das duale Studium
Studium und Betrieb parallel, mit Vergütung und Abschluss nach drei bis vier Jahren. Praktisch und theoretisch stark, dafür anspruchsvoll in der Belastung und mit wenig freier Zeit. Die Plätze sind begehrt.
Was Arbeitgeber tatsächlich verlangen
Aus Gesprächen mit Betrieben ergibt sich immer wieder dieselbe Reihenfolge:
- Praktisches Können. Können Sie eine Steuerung programmieren und einen Fehler eingrenzen?
- Lernbereitschaft. Die Technik ändert sich fortlaufend
- Verständliche Kommunikation. Können Sie mit Instandhaltung und Bedienpersonal reden?
- Systematisches Vorgehen bei unbekannten Problemen
Ob Sie das über Ausbildung, Techniker oder Studium erworben haben, ist den meisten Betrieben weniger wichtig als der Nachweis, dass Sie es können.
Ergänzen lässt sich jeder Weg
Unabhängig vom gewählten Weg schließt eine gezielte Weiterbildung zu einer konkreten Plattform Lücken. Absolventen holen damit die Praxis nach, Ausgebildete erweitern ihre Plattformkenntnis.
Wie Sie entscheiden
Nehmen Sie die Ausbildung, wenn Sie praktisch lernen, früh eigenes Geld verdienen und an der Anlage arbeiten wollen.
Nehmen Sie den Techniker, wenn Sie bereits im Beruf stehen und fachlich und finanziell weiterkommen möchten.
Nehmen Sie das Studium, wenn Sie theoretische Tiefe suchen und sich auch Entwicklung oder Projektleitung vorstellen können.
Nehmen Sie das duale Studium, wenn Sie beides wollen und die Belastung tragen können.
Einen falschen Weg gibt es nicht. Alle vier führen in gute Positionen, wenn Neugier und Ausdauer dazukommen.
